Tony Cragg (Albertina Wien)

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Points of View (Tony Cragg) in Stuttgart

Werke von Tony Cragg sah ich schon öfters im öffentlichen Stadtbild. Deshalb freut es mich besonders, dass nun Zeichnungen und Skulpturen von Tony Cragg in der Wiener Albertina zu sehen sind. Die Ausstellung läuft vom 7. Juli bis 6. November 2022.

Tony Cragg – manchmal sehe ich ihn 2x

Die Werke von Tony Cragg lernte ich bisher vor allem auf Stadtspaziergängen kennen. Besonders in Erinnerung blieb mir dabei die Bronzeplastik Points of View, die ich zum ersten Mal auf dem Museumsplatz in Stuttgart sah (siehe Headerfoto). Nur wenige Tage später lief ich einer Variation von diesem Werk aus Beton über den Weg. Diesmal aber in der Schauburggasse im 4. Wiener Gemeindebezirk. Damals war es ein Zufall. Bei der aktuellen Ausstellung in der Wiener Albertina möchte ich mich aber sehr bewusst mit seinen Werken auseinandersetzen.

Points of View (Tony Cragg) in Wien
Zwei Points of View: 1x in Stuttgart (Headerphoto) 1x in Wien

Ausstellung „Tony Cragg – Sculpture: Body and Soul“

Die Ausstellung zeigt Werke von Tony Cragg der letzten zwei Jahrzehnte und ist ein Fest für meine Augen. Die Skulpturen stehen teilweise in der Mitte der Räume und lassen sich so leicht umrunden. Neue Standorte zum Objekt ergeben neue Perspektiven auf das Objekt. Ein Prinzip, das sich auf viele Aspekte des Lebens anwenden lässt.

Die verwendeten Materialien beeinflussen meine Wahrnehmung. Bei dem Werk Locke aus bernsteinfarbenen Glas muss ich unwillkürlich an ein Gummibärchen denken. Sowohl die Farbe als auch die Form verleiten mich dazu.

Ich spiegle mich in dem glatt polierten rostfreien Edelstahl, aus dem Tony Cragg das Objekt Justine modelliert hat. Eine Wahrnehmung in zweierlei Sinne. Kunstwerke erscheinen uns so, wie wir sind. Sie spiegeln uns also auch dann, wenn sie aus dunklem Holz oder groben Lehm gefertigt worden wären.

Nicht immer gelingt es mir, das verwendete Material auf Anhieb zu erraten. Bei dem Werk Dickicht tippe ich zunächst auf Holz, tatsächlich ist es Stahl. Erst nach dem Lesen der Beschreibung fällt mir auf, dass man die Farbe des Dickichts sehr gut als rostbraun bezeichnen könnte.

Besonders angetan haben es mir die Werke aus Holz. Die Jahresringe wirken hier wie Schichten, die vom Künstler übereinandergelegt wurden. Tatsächlich waren sie aber immer da, entstanden zur Lebzeit des Baumes. Tony Cragg hat sie für mich lediglich in einer Art und Weise freigelegt, dass ich fast den Ursprungsgegenstand – den Baum – vergesse.

Eine interessante Ergänzung zu all diesen Objekten sind die Zeichnungen von Tony Cragg. In ihnen entdecke ich dieselben Rundungen und Verwirbelungen wie in seinen Skulpturen. Nur eben zweidimensional. Und dennoch empfinde ich die modellierten Werke als eindrucksvoller. Ich kann sie umkreisen und dabei neue Sichten freilegen. Die Zeichnungen hingegen lassen mich nicht hinter die Dinge sehen.

Fazit

Die Ausstellung Tony Cragg – Sculpture: Body and Soul vermittelte mir, wie spannend das Formen mit unterschiedlichen Materialien sein kann. Dabei müssen diese Formen keinen bestimmten Abbildungszweck dienen. Material und Form allein erzeugen einen Sehgenuss.

Quellen / Weiterführende Links

  • Link Offizielle Webseite der Ausstellung Tony Cragg in der Albertina
  • Link Biographie von Tony Cragg auf Wikipedia
  • Video Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder und Tony Cragg
  • Video Kuratorin Antonia Hoerschelmann und Tony Cragg